Entdecken Sie das Münchner Künstlerhaus und dessen Geschichte

Historie

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Der Traum

Der lang gehegte Traum von einem Haus für die Münchner Künstler wurde Wirklichkeit. Im Herzen der Altstadt feierten sie am 29. März 1900 die festliche Einweihung ihres prachtvollen Künstlertreffs.

Der Traum

Geschichte und Geschichten des Münchner Künstlerhauses

Der Traum von einem eigenen ‚Künstlerhaus‘ wurde von jener legendären Münchner Künstlerschaft geboren, die im späten 19. Jahrhundert auf der ganzen Welt bekannt war. Angeführt von ihren berühmten adeligen Gründervätern Franz von Lenbach, Gabriel von Seidl, Fritz August von Kaulbach, Ferdinand von Miller und Lorenz von Gedon setzte sich vor allem die 1873 gegründete Künstlergesellschaft ‚Allotria’ mit großer Leidenschaft für ein ‚Haus für alle Künstler der Stadt‘ ein.

1893 wurde die grandiose Idee realisiert: Der Wittelsbacher Prinzregent Luitpold legte den Grundstein für das Münchner Künstlerhaus und Architekt Gabriel von Seidl begann, das beeindruckende Gebäude im Stil der Jahrhundertwende zu bauen. Mit eingemauert wurde die Urkunde, in der es heißt: „Das Haus soll allen Künstlern Münchens ein Sammelplatz sein, ein Mittelpunkt für Frohsinn, Rat und erste Tat“.

Am 29.03.1900 konnte München die Einweihung seines stilvollen Künstler-Treffpunkts feiern. Voller Tatendrang schlossen dessen Gründerväter sich im Münchner-Künstlerhaus-Verein zusammen. Binnen kürzester Zeit avancierte das Münchner Künstlerhaus zum schillernden Mittelpunkt des Kulturgeschehens. Während im berühmten Münchner Glaspalast die ersten großen Kunstausstellungen präsentiert wurden, feierten das Großbürgertum und die Künstler im benachbarten Künstlerhaus fulminante Feste, von denen bald in ganz Europa zu hören war.

Lange Durststrecke- nicht nur für den Kulturbetrieb

Nach den Glanzzeiten der Gründerjahre brachte das dramatische Weltgeschehen auch das gesellige Leben im Münchner Künstlerhaus für lange Zeit zum Erliegen. Der erste Weltkrieg bot ebenso wenig Anlass für ausgelassene Feiern wie die anschließende wirtschaftliche Not der Bevölkerung. 1938 wurde der Künstlerhaus-Verein aufgelöst und enteignet. Am 14. Juli 1944 brannte das Haus nach einem Fliegerangriff fast vollständig aus.

Im Keller der Ruine eröffneten die amerikanischen Besatzer 1945 eine Snackbar und im noch erhaltenen Westflügel entstand ein Offizierskasino. Ende 1948 gelang es, den Münchner Künstlerhaus-Verein neu ins Leben zu rufen, der das Haus zurückzugewinnen wollte. Nach zähen Verhandlungen gaben die Amerikaner die beschlagnahmten Räume im September 1955 zurück. Mehr als ein Notdach zur Vermeidung weiterer Schäden an der Ruine des Hauptgebäudes konnte der gemeinnützige Verein jedoch zunächst nicht finanzieren.

Mit Spendenaktionen und der Wiederaufnahme des Gastronomiebetriebs bemühte er sich um Geld für den Wiederaufbau des Hauses. Nur eine erhebliche Pachtvorauszahlung machte die Instandsetzung des Restaurants und dessen Wiedereröffnung im April 1959 möglich. An eine originalgetreue Wiederherstellung des Hauptgebäudes mit seinem prunkvollen Festsaal war – bei einer veranschlagten Bausumme von mehreren Millionen DM – allerdings gar nicht zu denken. Erst die erfolgreiche Kooperation mit dem Export-Club München ermöglichte es dem jungen Architekten Erwin Schleich, Anfang der 1960er Jahre mit dem Wiederaufbau der Ruine im historischen Stil zu beginnen. Die immensen Baukosten aber verursachten im Laufe der nachfolgenden Jahre so hohe Schulden, dass der Verein sich gezwungen sah, das zu verpachten. Vertraglich wurde die Fremdnutzung für 30 Jahre mit dem Bayerischen Hof vereinbart. Die Gastronomie fand rasch Anklang, während die Kultur in einen tiefen ‚Dornröschenschlaf‘ fiel.

Bis heute

Erwacht aus dem Dornröschenschlaf

In den 90er Jahren nahm sich das Ehepaar Grassinger des hoch verschuldeten denkmalgeschützten Hauses an, um es seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zuzuführen. Mit großer Leidenschaft, unermüdlichem persönlichem Einsatz und der tatkräftigen sowie finanziellen Unterstützung vieler Freunde und engagierter Liebhaber gelang es, das historische Münchner Künstlerhaus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Stiftung schafft Sicherheit

Um das Haus dauerhaft als ‚Künstlerhaus‘ zu erhalten und vor künftiger Fremdnutzung zu schützen, wurde die Münchner Künstlerhaus-Stiftung gegründet. Seit ihrer Bestätigung als öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts am 28. Dezember 2001 nimmt sie sämtliche denkmalpflegerischen und kulturellen Aufgaben wahr.

Unter der Leitung von Maja und Peter Grassinger gelang es der Stiftung, nicht zuletzt durch die dauerhafte Verpachtung des Westflügels an Restaurants sowie die individuelle Vermietung der Räume im Haupthaus für unterschiedlichste Events, das historische Gebäude optisch und substanziell bestmöglich zu erhalten. Die Immobilie selbst stellt einen beachtlichen Wert dar, dem jedoch die immensen Kosten für den Wiederaufbau und die permanent erforderlichen Instandsetzungsarbeiten entgegenstehen.

Kultur kehrt zurück

Das erklärte Herzensprojekt des Ehepaars Grassingers war es, auch das kulturelle Leben in den historischen Mauern endlich wieder erwachen zu lassen. Dem definierten Stiftungszweck gemäß kann den Künstlern aller Genres endlich wieder Zugang zu einem breiten Publikum gewährt werden, was viele aufstrebende Talente bereits als Sprungbrett nutzen konnten. Im Sinne des Mottos „Nobis et Amicis“, das prominent über dem Eingang prangt, sind Künstler und ihr Publikum stets zum lebendigen Austausch willkommen. Für die Realisierung des vielfältigen Kulturbetriebs und die Instandhaltung der denkmalgeschützten Immobilie ist die Stiftung jedoch noch immer auf die Unterstützung privater Spenden und Sponsoren angewiesen.