Vortrag,
Sonntag, 03.04.2011, 18.00 Uhr,
Millerzimmer
Blaubart-Variationen
Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft e.V.
Dichtung und Musik um ein immer wieder fesselndes Thema
mit Wolf Euba als Erzähler und Maria Reiter am Akkordeon.
„Es lebt ein Ritter viel bekannt
auf seiner Burg im Frankenland,
Raoul der Blaubart wohl genannt:
ja Blaubart - denn sein Bart war blau.
Er nahm sich manche schöne Frau;
doch war sein Herz so wild und rauh,
daß von sechs wunderholden Fraun
jedwede, die sich ihm ließ traun,
bald war nicht lebend mehr zu schaun...“
Franz Pocci hat dem frauenmordenden Ungeheuer nicht nur 1845 eine
Gruselballade sondern auch ein veritables Theaterstück gewidmet. Seit Charles Perrault zur Zeit des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV.
das Märchen vom Barbe-Bleue präsentiert hat, geht von der abgründigen Geschichte eine düstere Faszination aus. Dichter, Komponisten, Filmemacher aller Zeiten sind ihr erlegen. Für Wolf Euba öffnet sich eine Fundgrube kurioser, tiefgründiger, dramatischer und amüsanter Texte. Ludwig Tieck zum Beispiel, kein Freund des Adels, hat den reichen Großbürger zum Ritter geschlagen (der mit der Farbe seines Bartes hadert), Jaques Offenbach persifliert in seiner Operette die Skrupellosigkeit der oberen Gesellschaftsschichten ( „...Sieht doch jeder ein,/dass bei diesen schlechten Zeiten/er muss eine neue freien!“). Bei Maurice Maeterlinck will Blaubarts letzte Frau die anderen – sie leben alle noch – mit nehmen, doch sie weigern sich, aus Angst vor der Freiheit. Die Gartenlauben- Autorin Marlitt zeigt ein junges Mädchen, in dessen Phantasie der ehrenwerte Nachbar zum Blaubart-Monster wird. Peter Rühmkorf entlarvt den Mann als liebesunfähiges Muttersöhnchen und H:C. Artmanns brutaler Ringlspüibsizzer „fiacht si in der nacht fua di dodn weiber“.
Ohne Musik wäre diese Text-Collage eine halbe Sache: Maria Reiter, die vielseitige Akkordeonvirtuosin, garantiert für die atmosphärische Stimmigkeit von unheimlich und lyrisch bis zu melancholisch und hochdramatisch. Das Schlusswort aber hat – freilich noch ganz befangen in patriarchalischen Moralvorstellungen - der Kasperl Larifari: „Diese Geschicht ist zwar gut ausgegangen; aber wer weiß, was ein Andermal geschieht, wenn man der Neugierd nicht widerstehen kann? Nehmen 'S Ihnen's zur Lehr, und jetztgehen 'S nach Haus und legens S' Ihnen in's Bett!
Eintritt 15 Euro
Kartenreservierung: Tel. 08177/8424 Fax 08177/9118
Eine Veranstaltung der Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft e.V

